Musikmesse 2018

So, das war sie also mal wieder, die Musikmesse Frankfurt. Verständlich wenn Gitarristen einen Bogen darum gemacht haben, denn die Zahl der Aussteller war tatsächlich noch trauriger als 2017. Man hört von erneut anderen Konzepten für 2019, so soll wohl wieder der Hallenschwerpunkt im Bereich 4/5 sein wie in der Vergangenheit auch. Mal sehen. Man hört den verbliebenen Ausstellern wohl zu aber ansonsten scheint zu gelten: vergrault ist vergrault. Auch Meinl z.B. hat sich nicht mehr blicken lassen, nachdem man aber mit recht großem Ibanez-Stand auf der Guitar Summit war.

Wenden wir uns trotzdem den Ausstellern zu, welche da waren und mein Interesse geweckt haben.

Die Prolight und Sound lasse ich komplett aus, da läuft man nur zwangsweise durch um trockenen Fußes zur Halle 9 zu kommen. Da scheint es oberflächlich jedenfalls noch nicht zur großen Aussteller Flucht gekommen zu sein.

Die größeren Highlights der Messe aus Gitarristen-Sicht sind schnell erzählt:

1.       Die Amp-Matrix von Musik Produktiv

2.       Die Vintage Ausstellung von No1 Hamburg

3.       Die Show-Bühnen mit Demos und Workshops von Guthrie Govan, Viktor Smolski usw.

4.       Die Luthier-Ecke

Zu 1: Wie schon in Mannheim gesehen war hier eine Armada von Amps und Boxen aufgebaut, welche frei kombinierbar verschaltet werden konnte, dazu eine erlesene Auswahl an Gitarren zum Probieren. Engl, Mesa, Revv, Victory, Synergy, Friedman, Blackstar, Orange, Diezel, Morgan an Amps, dazu Pedale von Bogner, Morgan, Walrus Audio, Friedman und Klirrton.

Zum einen sehr interessant natürlich der Friedman BE50 der zusätzlich zum 100er mit Response und Thump Reglern aufwartet. Kostenpunkt allerdings auch nicht gerade schlanke 3699€.

Zu begeistern wusste hier das kleine Top von Synergy namens SYN30. Hier bekommt man eine 30W 6L6 Handtasche mit fest verbautem Clean-Kanal und einem Modulschacht, also am Ende ein 3-Kanaler. Die Frage war natürlich: tönt der Clean-Kanal? Ja, tut er! Und dann steckt man eben rein was man noch so gerne hätte. Diezel, Friedman, Soldano, Synergy, demnächst Bogner usw – hochqualitative Module für 399€ pro Stück. Diese sind Spot-on an den originalen Schaltungen dran. Der Amp kostet leer 1699, ein Modul dazu macht ca. 2100€. Nicht billig aber preiswert, denn der Ton ist klasse! Bei 14,5 kg Gewicht freut sich auch der Rücken.

Dennis, der Vertriebler, ist auch sehr nett und kompetent – ich bleibe dran. Mein erstes Synergy ist ja daheim im Einsatz: das Friedman HBE (Hairy Brown Eye).

https://www.musik-produktiv.de/synergy-syn-30-head.html

Der Stand war auch die einzige Möglichkeit, eine Suhr zu spielen. Die Classic Antique in Babyblau war erneut ein Modell, das noch auf meiner Liste steht.

Zu 2: in der Galleria vor Halle 9 fand die Sonderausstellung „The World of Vintage Guitars“ statt. No1 Hamburg und der Fender Custom Shop zeigten gemeinsam unter dem Motto „Fender by Leo Fender: The Evolution of Fender’s Electric Guitars 1950-1964“ die Modellentwicklung der goldenen Jahre des Unternehmens von Leo Fender anhand von Original-Instrumenten. Diese waren in einer großen Glaskabine ausgestellt, darunter Toms 1959er Musicmaster.

Außerdem präsentiert der Fender Custom Shop eine Auswahl handgebauter Einzelstücke, die in dieser Zeitspanne entstanden sind. Ein weiteres Highlight war die Ausstellung von Vintage-Gitarren, die bereits von Musiklegenden wie Joe Bonamassa, Joe Satriani, Stevie Ray Vaughan und weiteren Stars gespielt wurden.

Zu 3: Offiziell hieß der Bereich „Guitar Camp“. Ich habe mir nichts angeschaut da die für mich interessanten Sachen zu spät abends waren, aber um ein paar Namen zu nennen: u.a. Mattias IA Eklundh, Jeff Waters, Jen Majura, Nick Johnston, Guthrie Govan und  Thomas Blug griffen hier in die Saiten.

 

Zu 4: In der Luthier-Ecke namens „Guitar Boutique Village“ standen erstmals 2 kleine Schallkabinen bereit um Instrumente zu testen. Neben Nik Huber und Christian Stoll als alte Bekannte der Szene gefiel mir vor allem Valenti Guitars aus Italien. Schnittige aber doch auch klassisch anmutende Gitarren die prima in der Hans lagen. Bei der Verarbeitung hier und da noch Luft nach oben, dafür customisierbar und die Regler sind aus dem Weg. Preise dank VAT-Befreiung (ja, lieber deutscher Fiskus: statt Firmengründer ab Tag 1 auszunehmen wie die Weihnachtsgänse gibt es andere Länder, die da nicht so bescheuert sind!) liegen die Preise aktuell bei 2200 bis 2700€.

http://www.valentiguitars.com/

RCR Guitars aus Chile hatten einen Stand, auf dem einem die Designs doch recht bekannt vorkamen, hier mal eine Ibanez-Anleihe, da eine Reminiszenz an Parker oder Musicman. Lagen auch ganz gut in der Hand, für das was sie sind aber einfach zu teuer. Mehr als 4000€ für eine Schraubhals-Flattop kann man als No-Name kaum vermitteln.

http://www.rcrguitars.com/Guitars.html

Was es noch so gab:

Nebenan die sehr schönen akustischen Instrumente von Henning Doderer, wo wir u.a. eine sehr schöne Archtop Jazzgitarre testeten.

Direkt um die Ecke: Paradis. Die Firma gibt es trotz Tod des Chefs Rolf Spuler immer noch und man baut u.a. das Poly Subbass System der alten Avalon Gitarren für andere Gitarren, vor allem Godin Multiacs. Alte Elektronik raus, Poly Platine rein, kein Fräsen! Und es klingt hervorragend! Kostenpunkt ca. 280€.

http://www.polybass.com/

In Halle 9 fand sich neben Laboga aus Polen fast einzig der unübersehbare Stand von Hiwatt. Dort scheint man sehr quirlig mit neuen Modellen zu sein, die Verarbeitung ist wie seit Jahrzehnten herausragend. Klasse!

Für das Design des Maxwatt Super-Hi 50 zeichnet Mike Fortin verantwortlich. Mit dem Top geht es also richtig rund.

http://www.hiwatt.co.uk/gear

Auch nicht vergraulen lässt sich Godin. Der Stand bot einen Querschnitt der E-Gitarren sowie der Seagull Acoustics. Neben den bekannten Modellen sehr schön die Archtops „Montreal“ und 5th Avenue“.

http://www.godinguitars.com/godinarchtop.html

Kann man etwas das es schon ewig gibt verbessern? Ja klar! In dem Falle rede ich von Schaller. Man hat sich der Probleme weshalb z.B. ich nach vielen Jahren der Nutzung auf Alternativben ausgewichen bin angenommen und die Security Locks überarbeitet. Diese heißen nun S-Lock und warten mit einem „Lock Wheel“ statt der sich immer mal lösenden Überwurfmutter auf. Simple, Silent. Ja, leiser sollen sie auch sein. Sieht jedenfalls prima aus und die ersten begeisterten Nutzerstimmen haben mich erreicht.

https://www.premierguitar.com/articles/27080-schaller-introduces-the-s-locks-strap-lock-system

Interessant aber sehr teuer waren Macmull Gitarren aus Israel. Dort gibt es feinste Strat und Tele Modelle. Die Jungs haben vor ein paar Jahren ein (Frequenz) Mess-System entwickelt, mit dem sie die Rohlinge analysieren und Body, Hals und Griffbrett zueinander matchen. Die Ergebnisse sprechen für sich, unter 4000€ ist da aber kaum was zu haben. An der Kopfplatte scheiden sich die Geister.

http://www.macmull-guitars.com/

Dann kann ich euch versprechen, dass wir für guitartoys eine tolle Quelle für eigene Plektren gefunden haben! Mehr Details alsbald, ich will nicht zu viel verraten. Aber es wird klasse werden!! Klassische Formen aber überlegene Materialien. Milchstein, Ebonit, Acetat und noch ein paar andere Highlights.


Hamer is back! Nicht direkt auf der Messe, sondern gegenüber im Marriott fanden die Präsentationen der neuen Hamer-Modelle statt. 6 Stück, allesamt klassische Designs mit Mahagoni- oder Korina Bodys und 5 davon mit kurzer Mensur. Sehr gut spielende und klingende Teile. Da sie nicht mehr aus USA sondern Indonesien (die es aber mittlerweile richtig gut können) kommen liegen die Preise bei höchst angemessenen 599 bis 799€.

http://www.hamerguitars.com/2017/ (nicht ganz aktuell)

Ebenfalls dort zu sehen gab es Washburn. Neben einigen E-Modellen mit toller Bespielbarkeit (mir hat vor allem die Parallaxe PXM20FR gefallen) fand ich das 135-Jahre-Jubiläumsmodell toll. In Ton, Haptik und Optik weit oberhalb dessen was auf dem Preisschild steht! Nur 135 werden gebaut.

http://www.washburn.com/products/acoustics/RSD135-D.html

Auch hervorragend klang die auf dem Bild zu sehende „Parlor“ aus der Timeless Collection. Diese werden aus mindestens 140 Jahre alten Hölzern gebaut die man in Großbritannien aus alten Farmen, Kneipen oder gar Brücken selektiert. Interessantes Konzept, tolle Instrumente. Habenwill!

http://www.washburn.com/products/acoustics/TCP130SWK.html

Zuletzt ging es noch auf dem Weg raus bei Yamaha im Portalhaus vorbei. Leider ohne genug Zeit nur ein Blick über die Auslage. Sehr schön jedenfalls das neue Line6 HX Effektgerät, quasi ein Helix ohne Modeling.

Da ich mich ja seit einiger Zeit mit dem Plan trage, einen anderen Bass zu kaufen fiel meine Wahl ja eigentlich auf einen Yamaha BB1024X. Leider gibt es das Modell jetzt nicht mehr

https://europe.yamaha.com/en/products/musical_instruments/guitars_basses/el_basses/bb/index.html

Dafür fiel mir auf dem Stand das Modell TRBX 704 höchst positiv auf. Tolle Bespielbarkeit, optisch auch sehr ansprechend und mit ca. 700€ fast als günstig einzustufen.

https://europe.yamaha.com/en/products/musical_instruments/guitars_basses/el_basses/trbx/600series.html

Verpasst haben wir die Vorführung von Chris Buck. Der 26-jährige Waliser, kürzlich im Total Guitar Magazine zum „Best new guitarist in the World“ gekürt, muss mit seiner Yamaha Revstar, einem Line6 Helix und der nagelneu vorgestellten „Powercab“ derbe einen losgemacht haben.

https://www.walesonline.co.uk/whats-on/whats-on-news/welshman-whos-just-been-named-14164294

Das Powercab 112 Plus wird einen VK von 899€ haben. Mit IR Support, USB Audio, MIDI und dem ganzen Kram.

https://line6.com/powercab/

Das war es dann auf der Messe. Aus Gitarristen-Sicht: wirklich traurig. Wenn die Guitar Summit im September den Elfmeter verwandelt muss man zukünftig nicht mehr nach Frankfurt fahren – denn ohne die großen Namen bleibt die Messe leider blass. Marshall, Fender, Gibson, dazu wenigstens die großen deutschen Hersteller: Engl, Duesenberg, Diezel, Framus,… Aber ich sehe das nicht mehr passieren. Und was ist mit Ibanez, Laney, Bogner usw?

Daher: auf nach Maintal! Bei Guitarpoint, welcher seit neuestem eine „strategische Partnerschaft“ mit Thomann hat (andere sagen, Thomann hat den Laden mit Mann und Maus gekauft) war wieder Hausmesse angesagt und am Freitag stand ein Workshop mit Bernie Marsden auf dem Plan. Für mich also endlich die Gelegenheit, die Back Plates seiner ehemaligen Yamaha SG3000 sowie meiner Gibson CC08 signieren zu lassen. Es ist immer wieder eine Freude, diesen netten und geerdeten Menschen zu treffen und einen Plausch zu halten, bei dem man jedes Mal was lernt. Ein Rockstar von nebenan, sozusagen. Sehr witzig noch, dass er ein mitgebrachtes Bild umdatiert hat, welches angeblich vom Monsters of Rock 1981 sein sollte. Es sei aber Reading 1982 gewesen, denn er könne sich an das Shirt erinnern und „damals haben mir die Weiber die Klamotten noch recht schnell vom Leib gerissen“ LOL