Guitar Summit 2022 Review

Nach 3 Jahren hieß es endlich mal wieder „Auf nach Monnem!“ zur 4. Guitar Summit. Das 3-tägige Event bot neben den klassischen Ständen allerlei Workshops und Demos mit Leuten wie Jeff Loomis, Pete Thorn, Andy Susemihl, Mike Dawes und vielen anderen. Ich war aus Zeitgründen nur am Samstag dort und das auch nur gute 5 Stunden, die gesammelten Eindrücke schreibe ich euch aber hier auf. Die Zeit reichte jedenfalls lange nicht aus, um sich alles ernsthaft anzusehen, z.B. eben die Workshops oder die vielen, vielen Pedale alleine.

Das Ticket kostete stattliche 29€, und dem Vernehmen nach wurden 10.000 verkauft. Immerhin konnte man sich die 3 aktuellsten Gitarre&Bass Ausgaben kostenlos mitnehmen, wenn man es sich schön rechnen möchte war der Eintritt also nur 10,50€ 🙂

Die Belegung war weitgehend wie gewohnt, der Pedal-Raum im 2. OG war halbwegs neu, dazu fiel auf: es war ruhig! Testing nur im separaten Bereich im Untergeschoss oder in Schallkabinen – oder mit Kopfhörer. Sehr angenehm jedenfalls! Auch wenn Tosch schon recht hat, zum Amp-Check gehört eigentlich auch immer ein bisschen Schmerz…

Erste Station: Ibanez. Oliver erwartete mich, im Gespräch mit Dr. Daniel Gäthke von Meinl. Sehr old-school, aber ich finde es klasse: Papier-Kataloge! Neben einigen Serien-Modellen gab es 3 J.Customs (Made by Sugi) zu sehen, die überragend gemacht waren, aber auch bis zu 8.000€ kosten. Eine namens JCRG22S03 bestand aus einem Block hawaiianischem Koa, der an den fehlenden Stellen mit transparentem Harz ergänzt wurde. Irre Optik, aber auch ein stattliches Gewicht. 

Die Neckthrough JCRG2203 wartete sogar mit Quilted Backtop auf. Handwerklich gibts da gar nichts zu meckern, bezahlen würde ich es allerdings nicht.

Zweite Station: Nik Huber. Am restlos ausverkauften Stand gab es neben den bekannten Modellen eine der auf 12 limitierten Bernie Marsden Signature Orcas zu sehen. Eine absolute Schönheit! Das Preisschild stellt indes Rekorde auf: 14.995€. Na ja, im Vergleich zu Bernies 59er Burst namens Beast geht’s dann aber wieder, haha!

Ich werde demnächst endlich mal seine Werkstatt für 2 Reparaturen aufsuchen, die corona-bedingt schon lange auf Erledigung warten. Inmitten des Gesprächs begrüßte er einen Besucher der sich mir mit „Hallo ich bin der Uwe!“ vorstellte. Nicht erkannt, ich gebe es zu, aber es war Uwe Lulis von Accept.

In dem Saal waren einige andere Gitarrenbauer wie Ritter und Panucci am Start. Auch einige mir soweit unbekannte Namen, aber die Designs sprachen mich auch oft nicht so recht an, ich bin da wohl doch recht traditionalistisch geworden, haha. Vermisst habe ich T.Man Guitars und Hartung. Die anderen üblichen  Verdächtigen (Tandler, Tonfuchs, Schindehütte) hatten Stände im offenen Bereich des 1. OG.

Auch Rainer Tausch war natürlich wieder da, leider ergab sich aus Zeitgründen kein Gespräch.

Dann erstmal ein Blick ins Untergeschoss. Dennis Schock (Boutique Amps Distribution) war mit einigen Amps von Soldano, Friedman, Synergy (nebst einiger Module natürlich) und Morgan da, auch den wirklich sehr kleinen Soldano, Diezel und Friedman Mini Amps.
Den Soldano haben ja mittlerweile mehrere aus unserer Gruppe und ich finde den auch ziemlich spannend!

Als Kuriosität war auch eine private Sammlung von über 70 Randy Rhoads Modellen diverser Hersteller zu sehen. Neben Jackson sah man Kramer, Ibanez, ESP, Edwards, Marathon, Aria, Charvel, Vester, Carvin usw – an dem  Design haben sich wirklich viele Firmen ausgetobt.

Red Seven Amps aus Italien waren auch wieder sowohl mit kleinem Stand im EG als auch unten im Testbereich vertreten, hat die mittlerweile mal jemand getestet?

Ich habe ehrlich gesagt sehr wenig getestet. Mein Favorit davon war eine Gitarre eines Gitarrebauers aus Amsterdam namens Koen van der Meij. Superstrat mit Floyd, großartigem Hals und recht customisierbar. Preispunkt ca. 3500€.
https://www.vandermeijguitars.com/

PRS? Oh je…
Ich bin ja seit Jahrzehnten PRS Fan und habe lange Jahre live welche gespielt. Aber was einem da mittlerweile angeboten wird, einfach traurig. Man bekommt nicht mal Lust, eine zu probieren, spätestens nach dem Blick aufs Preisschild. Gleichzeitig dümpeln die alten, handgemachten Gitarren teils bei unwürdigen Gebrauchtpreisen herum. Unverständlich. Ich will nicht sagen, dass die Gitarren schlecht sind, aber schon seit Jahren steht das Gebotene nicht mehr in Relation zu den Preisen. Dicke Lacke, unübersichtliche Modellpolitik. Bei Thomann kostet eine reguläre Custom 24 10-Top 4999€. Mir ist das zu hoch…

Bei Pickup-Guru Andreas Kloppmann gab es so viele Neuigkeiten, dass ein separater Flyer bereitlag. Zum einen baut er nun sowohl eine Replica der alten T-Top Humbucker als auch einen moderne PAF Interpretation für die schwereren Jungs. Vor allem aber spannend fand ich den P-90 im Humbucker-Format. Endlich!

Den von vielen mit Spannung erwarteten Lenz Hot Chili Amp (Geschäftsführer ist übrigens Siggi Schwarz) habe ich leider weder gesehen noch gehört, aber dem Vernehmen nach war der ziemlich lecker:

https://www.lenzamplification.com/

Bei Schecter habe ich die Sun Valley Shredder Modelle probiert, wie bereits erwartet waren mit die Hälse leider zu schmal. Schade eigentlich, denn mit dem Modell mit Fernandes Sustainer kann man coole Sounds produzieren!

Dafür gabs da zum Test die Ever-Last Picks von Ernie Ball, und in 2 mm sind die richtig klasse. Das 12er Beutelchen kostet schmale 5,90€, da ist ein verlorenes Pick dann zu verschmerzen…

https://www.ernieball.de/guitar-accessories/guitar-picks/everlast-picks#P09196

Die Pedalhalle

Direkt am Eingang erwartete einen der Stand von Uli Rodenberg. Wie er mir erzählte, baut er kaum mehr Amps und verlegt seinen Schwerpunkt nunmehr komplett auf Pedale. Und die hatten es in sich! Und der Markt bestätigt das: Das Flaggschiff des Rodenberg-Pedalprogramms, das SL-OD Steve Lukather, wird in diesem Jahr noch die Stückzahl von 1000 verkauften Exemplaren knacken!

Zu sehen waren SL-OD (Steve Lukather Overdrive), Luke Overdrive, 2 LDP (Low Down Pressure) Pedale, der Kill Master und vor allem das BLDeluxe Amp-in-a-Box Pedal (BL = British Legend). Es ist das Ergebnis von vier Jahren Forschung – ein Hochvolt-Amp-in-a-Box Pedal, das intern mit 280V läuft, aber mit herkömmlicher 9V-Spannung versorgt wird. 

Ich zitiere aus dem G&B Messebericht: „Das Pedal ist aufgebaut wie ein Amp, wird wie ein Amp geregelt und liefert eine ganz neue Art von Amp-Simulation, die wie eine Röhre klingt und wie eine Röhre dynamisch agiert und ohne Probleme z. B. aus einem cleanen Fender-Amp einen authentisch-verzerrenden Marshall-Sound herausholen kann. Aber das Pedal kann genauso gut Twang- und andere clean und crunchy Sounds, dank der effektiven Klangregelung. Dem BLDeluxe, das britische Sounds liefert, werden in naher Zukunft weitere Pedale mit anderen Sound-Schwerpunkten wie z. B. Klassische amerikanische Sounds zur Seite gestellt werden. Das BLDeluxe wird für € 249 angeboten.“

Das Guitar Summit 2022, ein Verzerrer mit dem Innenleben des Luke OD und in dieser speziellen Version nur zehnmal zu haben. Dank Oliver habe ich nun die Nummer 6 davon.

Catalinbread

Ich bin seit über 20 Jahren mit Scott Hager, dem Inhaber von https://www.axeandyoushallreceive.com/ befreundet, seines Zeichens einer der größten Pedal Händler Kanadas. Einmal gefragt, was jemand auf dem Board hat, der (fast) alles kennt, sagte er: Catalinbread aus Portland/Oregon!

Diesmal dort zu sehen: Das Tribute Parametric Overdrive , ein äußerst vielseitiges Booster/Drive-Pedal mit extrem effektiver Klangregelung, sowie das Topanga Burnside, welches nun neben Reverb auch Tremolo hat.

Der Pedal-Phaser Many Worlds bietet achtstufige Phaser-Sounds mit acht wählbaren Phasen-Parametern und sechs LFOs. Dürfte abgefahren sein!

Last but not least das FX-40 Soft Focus Reverb, basierend auf dem Yamaha FX-500, technisch wohl ein „im Kern ein modifizierter Plattenhall, dem ein mehrstimmiger Chorus und eine Octave-Up-Funktion zugemischt werden können“.

Crazy Tube Circuits

Aus der griechischen Effektschmiede Crazy Tube Circuits kommt neu das Crossfire, eine Art Screamer-in-Fender-Amp als Amp-in-a-Box-Lösung.  Also die magische Kombination aus Midrange-Verzerrer und Mid-Scoop-Amp, die seit Jahrzehnten die Sounds vieler Gitarren-Heroes bestimmt.

Sehr cool: Das Super Conductor hat nicht weniger als vier klassische Boost-Sounds in einem Pedal nachgestellt – Rangemaster, Echoplex Preamp, MXR Micro Amp und ZVex Hard On – für 189€.

JPTR FX

Mehr Made in Germany: Chris Jupiter zeigte sein gesamtes Pedal-Programm inklusive dem neuen Mayo, ein Pultec-style Triple-Filter-EQ und Booster – sehr vielseitig und gut durchdacht. Mit dem Freq-Regler, einem vierstufigen Treblebooster, erreicht man Klarheit, undifferenzierten Mumpf entfernt der Low-Regler und die zu betonenden Bassfrequenzen stellt der Boost-Regler ein.

Auch zu sehen war das Titan 250 Topteil, ein 32 kg schweres Ungeheuer, das in Zusammenarbeit mit Jens Zander Amps entstand.

Da ich demnächst die Möglichkeit bekommen werde, alle JPTR Pedale zu testen, folgt gelegentlich nochmal ein gesonderter Bericht. Außerdem, wie ich gerade erfahre, vom Titan 250 und der BAGULEY DICO 6 / Baritone. Das wird lustig!

Am gleichen Stand gab es auch Baguley Gitarren mit Aluhälsen zu sehen. Noch nie gehört, sahen aber abgefahren aus. Für Ü50 Gitarristen mit kaputtem Rücken ist das aber nix, haha!

https://baguleyguitars.shop/

Fredric Effects

Das Banner mit dem Motto „Test the East!“ zog einen geradezu an. Dabei kommt das Zeug aus England 🙂 Die kleine Effektschmiede aus London hat vor einiger Zeit auf sich aufmerksam gemacht, da sie für ihre Pedale zur Abwechslung mal nicht amerikanische oder englische Vintage-Sounds nachbildet, sondern deutsche! Namentlich Regent 150 und West German Tremolo.

Neu war der „Super Unpleasant Companion“, das in zwei unterschiedlich designten und auf jeweils 50 Stück limitierten Auflagen erscheint (je € 185). Der „sehr unfreundliche Kumpel“ ist ein heftig zupackendes Fuzz, dessen Schaltung eine aufregende Kombination aus Shin-Ei FY-2 Companion Fuzz und FY-6 Superfuzz darstellt.

Weitere Impressionen: natürlich waren auch die üblichen Verdächtigen von Strymon, Eventide usw. vertreten.

Akustikhalle

Da ich mit meiner Cuntz CWG23 für alle Zeiten bedient bin schlenderte ich hier nur durch, um Andreas Cuntz zu begrüßen und zum 25. Jubiläum zu beglückwünschen.

Kurioses gab es bei Furch: mit der „Little Jane“ präsentierte man eine Reisegitarre, deren Hals für unterwegs im Body verstaut wird, dank Carbonstäben im Hals und Locking-Tuner nach dem Zusammenbau aber sofort spielbereit ist. Kostenpunkt 1300€.

Im Flur gab der unverwüstliche Peter Bursch wieder Gitarrenstunden für Kinder, und diesmal habe ich ihn angesprochen – immerhin habe auch ich mit einem Buch von ihm („BAP für Gitarre“) mit dem Spielen begonnen. Er meinte, dass mittlerweile Kinder erzählen, ihr Opa habe mit seinen Büchern gelernt, was ihn sichtlich erheiterte.

Im Vorbeigehen fielen noch einige Sachen auf, wie eigentlich immer Majones Guitars, ich finde die richtig gut, seit ich mal eine Duvell-6 zum Test hier hatte. Top Verarbeitung und Bespielbarkeit!

Bei Siggi Guitars gab es neben einigen Custom Instrumenten auch Relic S und T Modelle und sogar einen eigenen Amp zu sehen, der wie ich meine aufgeschnappt zu haben, im Zusammenarbeit mit Schröter Amps entstand.

Auch habe ich mich noch bei 2 Anbietern von In-Ear-Systemen kundig gemacht, wobei ich mit meinem InEar SD-2 Set eigentlich zufrieden bin. Die Modelle Vision Ears sahen klasse aus, schweiften preislich aber auch schnell ins 4-stellige.

Fazit

Nach so langer Zeit und dem definitiven Ende der Musikmesse Frankfurt hat es mal wieder viel Spaß gemacht, sich über den Stand der Dinge zu informieren. Echte Kaufimpulse habe ich nicht verspürt, das Zeug daheim ist doch ziemlich gut, wie man auch hier im Vergleich immer wieder feststellte.
Toll war natürlich, einige Amp-Force-Mitglieder endlich mal wieder persönlich getroffen zu haben und mit Martin einen neuen Mitstreiter kennenzulernen. Die Equipment-Tausch-Aktion in der Tiefgarage war ja dann auch noch witzig.

Es bleibt spannend, die Ton-Jagd endet nie, ich für meinen Teil tauche aber erstmal tiefer in die Sachen ein, die ich eh schon habe. Das Rodenberg-Pedal wird vor allen Amps getestet und ich denke, es wird richtig Spaß machen.

Over and out!