Musikmesse 2019

Musikmesse 2019 und Vintage Guitar Show

Man hatte ja vorher schon Bedenken. Aber die Realität schlug jede Fiktion! Während ich diese Zeilen tippe höre ich im Hinterkopf Ray Manzarek und Robby Krieger die ersten Takte von „The End“ anstimmen… Wie man eine solche Messe so versemmeln kann, sensationell. Ich werde euch nicht mit zuviel Text langweilen. Seid froh, dass ihr nicht da wart!

Für mich begann die Messe mit Toms Eintreffen am Donnerstag. Nach leckerem gemeinsamem Abendessen einmal die Neuheiten des Jahres testen. Bludotone Dumble, Kammler Mono Kai II, Tom Anderson Drop Top, Bastel-Superstrat, Bleeding Cowboys Pedal, Silent Box, Washburn Mercury, Washburn WCG25 mit Beveled Edge..

Dem Bludotone haben wir erstmal andere Röhren verpasst. Nicht einfach einzustellen, aber wenn er klingt, dann klingt er. Überrragend sogar. Bin mir trotzdem nicht sicher, ob es ein Amp für mich ist. Parallel dazu haben wir immer den Larry Dino angehabt, über die 4×12″ mit 1978er Blackbacks. Alter Verwalter. Das ist schon ein sagenhafter Amp! Und der British Purist ist wie eine Naturgewalt. Laut, wild, teuer 😉

Die Anderson bekommt noch neue Bünde, voraussichtlich im Mai. Dann wird sie in meine Top-5 der Player aufsteigen. Denn das Konzept und die Verarbeitung sind spitze!

Ein cooles Widget ist das Bleeding Cowboys AA DI Pedal. Es bietet einem die Option, den Pedalboard-Sound ohne Amp direkt ins Pult zu geben, und zwar in sehr guter Qualität. Ansonsten läuft das Signal einfach unverändert zum (cleanen) Amp durch.

Die Grossmann Box überzeugte auch mit Dämpfung und Konzept. Der Celestion Redback macht übrigens einen sehr ordentlichen Ton!

Kleine Überraschung des Abends war die alte Washburn Mercury, die ich für gerade mal 165€ geschossen habe. Unter Grover Jacksons Fuchtel Anfang der 90er entwickelt und gebaut, sind die Teile absolute Geheimtipps in Sachen „Gitarre fürs Geld“. Danke an Ralf für den Hinweis!

Am Freitag dann kam Tosch hinzu und wir fuhren zum Einstieg gen Maintal zu Guitarpoint. Dort war eine Vintage-Messe mit neuem Burst-Weltrekord (ich glaube, 12 kamen zusammen), Konzerten von Bernie Marsden usw, einer Sonder-Ausstellung „Fender Custom Colours“ und Kaffee für lau. Glanzstück der Vitrine war Bernies 59er „Beast“, erstmals seit den 90ern wieder in Deutschland.

Tosch verliebte sich in eine CS Strat, die wir aber für zu teuer befanden. OK, Grund, aber kein Hindernis…

Herr Alder lässt übrigens keine Gelegenheit aus, einen mit seiner Porsche Sammlung neidisch zu machen.

Mein Liebling war eine Olympic 1965er, aber das Preisschild von 19995€ erübrigte jede Überlegung. Eine schwarze 1974er mit Jumbo-Refret für knappe 4 Mille wäre die machbarste Option gewesen…

Mit einer Käsestange auf die Hand verabschiedeten wir uns dann Richtung Frankfurt. Parkplatz im Wohngebiet ergattert und 14€ Parkhaus gespart. Yes! Mit Ehren-Gastkarte rein, Halle 3.0 E-Gitarren und Bässe. Die Halle in 3 Sektionen geteilt, Drums, Gitarren und irgendwelcher andere Kram. Nach 3 Minuten waren wir raus. Unbeschreiblich!! Nur Asiaten, ich kannte nicht eine Firma da. Keine Bilder, es war zu traurig.

In der 3.1 war Christian Stoll als letzter Krieger in der Guitarbuilder Ecke vertreten. Auch da kannte man sonst kaum einen.

Mein Hauptanliegen habe ich aber doch noch erledigen können: mit meinem Pick-Hersteller neue potentielle Modelle besprochen und einige Demo-Plektren zum Testing daheim abgegriffen. Außerdem den Restbestand Helios Artis Picks zum EK eingekauft. Ebonit und Milchstein bis ca. 2029 gesichert 🙂

Ein namhafter Rückkehrer soll doch erwähnt werden. Gibson, nach Pleite und neuem Management wieder auf dem Weg der Besserung befindlich, war gegenüber No.1 mit einem guten Dutzend aktueller Modelle vertreten, ebenso am Folgetag auf der Vintage Show.

Die aktuellen Modelle fühlen sich gut an, die 2019er Custom hatte ein passables Gewicht und einen ordentlich dicken Hals, ganz anders als meine alten Customs. 5500€ sind allerdings ein sportlicher Preis.

Nach dem erfolglosen Versuch, Wolfgang bei Yamaha in Halle 8 zu besuchen, verließen wir die traurigen Hallen Richtung Maritim, wo Ralf für US Music Corp mit den Marken Washburn, Hamer und Randall seine Ausstellung hatte.

Hier gabe es in einer Suite praktisch mehr Gitarren zu sehen als auf der Messe. Und leckere Teile dazu! Die neuen Akustiks (das Bild bitte nicht verteilen!! Noch nicht am Markt!) spielen sich super, sehen mit den aufwändigen Einlagen sehr apart aus und kosten mit 399 bzw 499 VK erschreckend wenig. Ich hatte mich brutal verschätzt.

Auch richtig cool für die 80s Kids wie uns: die Washburn 4N, eine exakte Replica von Nuno Bettencourts Hauptgitarre, natürlich mit Stephens Extended Cutaway. Jetzt stimmt auch der Halswinkel! Macht enorm Spaß, der Ast. Nicht billig, aber preiswert.

Der Testabend mit Tosch in meinem Man Cave begann mit einigen Verkaufskandidaten von Tom (Liste folgt!), bevor wir uns dann intensiv mit den neuen Plektren auseinander setzten. Ergebnis: Das Material mach so richtig was aus! Weniger die Form, aber mein Favorit Acetat in 2,5mm mit Spielkante ist einfach superschnell. Ich habe viele wichtige Erkenntnisse für meine Prototypen gewonnen! Auch für mich nach wie vor super sind Milchstein (wenig Anschlagsknacks und sehr leichtgängig), ebenso Ebonit mit 1,5mm Dicke. Es lohnt sich wirklich, hier ein paar Euro mehr auszugeben und dann aber ein fast unkaputtbares Teil zu bekommen, das einen besser macht.

Fasst man danach das bisher so geliebte Plastik Plektrum an und spielt ein paar Töne kann es zu reflexartigen Wegwerf-Bewegungen kommen!

Der auch angespielte Egnater MOD50 hinterließ glaube ich einen Kaufimpuls. Ich sage euch seit Jahren, das Zeug ist gut! 🙂

Wirklich witzig ist dies: Tosch brauchte zum Testen eine richtige Strat. Also baute ich auf die Schnelle meine Jeff Beck von Doppelklinge auf Singlecoils um. Den Pickguard hatte ich bereits fertig, um ihn in eine zu verkaufende Gitarre zu bauen. Es sind OEM Pickups, die ich für lächerliche 15 USD pro Set (!!!) vor ein paar Jahren bei Guitar Fetish gekauft habe. Und Leute: die sind richtig gut! Vermutlich nix anderes als die Standard Pickups auf den USA Strats…

Ich bestelle demächst nochmal da, falls auch jemand welche möchte. Es gibt Vintage und Overwound.

https://www.guitarfetish.com/Vintage-Stratreg-Set-White-Reverse-Wound-BLOWOUT_p_836.html

Am Samstag dann ging es erneut nach Frankfurt, denn in Halle 1 war erstmals der neue „Pop-Up Market“ Mit Gitarren, Zubehör, Schallplatten und Akkordeone 😉

Zentraler Stand war die riesige Fläche von No.1 Hamburg, die auch Tom als Spezialisten (ich vermeide den Begriff Hostess LOL) engagiert hatten. Originale Instrumente jedes Baujahres von 1952 bis 1963, Workshops mit Peter Weihe und Thomas Blug usw. standen auf dem Programm.

Bei manchen Händlern wunderte man sich, in welcher Währung die Preise angegeben waren. Euro können es nicht gewesen sein…

Unser alter Freund Jürgen Kirschner von CMS hatte einige Angebote aus seinem Sortiment dabei, ebenso sein eigenes Projekt „SUV Pedals“.

https://www.cms-music.net/effects/suv-pedals/suv-high-rider-ltd.html

Mathias Jabs war auch da und stellte ein paar seiner Schätzchen aus. Später steuerte er noch seine beiden Bursts zu Detlefs Ausstellung bei.

Auch erwähnen möchte ich einen neuen Amp-Hersteller aus Deutschland: GoldSuper aus Hamburg hatte mehrere Modelle dabei, die optisch schon merklich an Dumble erinnerten.

Gitarren-Teile: Ich nutzte die Gelegenheit, um mit Andreas Nowak von crazyparts ein Set für meine Olympic Strat zusammen zu stellen. Pickguard, PU Kappen und Knöpfe, und zwar so dass es auch authentisch aussieht. Auf der Website ist das leider nicht so intuitiv.

Nebenan stand Alex Beyrodt (wir alle kennen seine Arbeit mit Sinner, Voodoo Circle usw) und promotete seinen mittlerweile 10 Jahre alten Vertrieb und sein relativ neues  Label Guitarslingerproducts. „From player to player!“ Wir unterhielten uns eine ganze Weile über den Kram. Sieht gut aus. Elektrik-Sets, Pickguards, Knöpfe usw.  Es gibt 20% Neukunden-Rabatt und er handelt als aktiver Nutzer auch Maybach Gitarren – auf Anfrage zum guten Kurs *zwinker*. Netter Typ!

https://www.guitarslingerproducts.com

Neu am Markt: Servus! Pedale aus Offenbach. Einer Firma mit so coolen Pedalnamen wie „Yodelmaster 2“ muss man einfach eine Chance geben, auch wenn sie aus Oxxenbach sind… Die Preise sehen sehr fair aus.

https://www.servuspedale.com/en/pedals

Das Schlusswort: Die Musikmesse Frankfurt ist für Gitarristen tot. Das wird vermutlich wieder eine Prolight & Sound, und die Guitar Summit wird weiteren Zulauf erhalten. Wir sehen uns also in Mannheim!

Wichtiger ist immer, sich mal wieder persönlich zu sehen, auszutauschen, den eigenen Kram von anderen Fingern gespielt zu hören… und die gewonnenen Erkenntnisse zu nutzen.

Hätte ich die Karte regulär bezahlen müssen, ich hätte im Strahl gekotzt. Die 5€ Eintritt am Samstag hingegen waren echt ok. Ich hoffe, das wird weiter verfolgt.

Over und aus! 🙂