Werte Klampfer-Kollegen!

Ich fasse mal einigermaßen kurz für euch zusammen was ihr in Frankfurt verpasst habt: fast nichts.

Ich war indes sogar 2 Tage da, was ich angesichts der regulären Tagesticket-Preise von stattlichen 30 Euro normalerweise nicht gemacht hätte, zum Glück habe ich sie für umme bekommen. Um die 13 Euro fürs Parkhaus kam ich allerdings nicht herum. Wie gewohnt per Shuttlebus zum Messegelände, wo wie 2016 (da war ich im Urlaub) die neue Hallenbelegung erneut Anwendung fand. Grob umrissen: Gitarren und Drums in der 11, Yamaha im Portalhaus, Halle 9 Tasteninstrumente und Recording, 8 Streichinstrumente und Edel-Gitarrenbauer. 3, 4 und 5 waren Prolight & Sound.

Auf dem Weg zwischen den Hallen waren diesmal diverse Food Trucks im Einsatz, was den Weg der Messe Richtung Event verdeutlicht (was nach Aussage eines Mitarbeiters ein Versuch aus dem Dilemma heraus ist). Auch erhielt man mit dem Eintritt ein Bändchen welches zum entweder ganz freien oder preisreduzierten Besuch diverser Konzerte in Frankfurt berechtigte, z.B. Steve Stevens mit Gus G. in der Batschkapp. Wer allerdings nach nem Tag Messe noch abends auf sowas Lust hat, keine Ahnung.

Auf der CenterStage habe ich mir ein paar Minuten die Dennis Hormes Band angeschaut. Der Typ klang mit deiner Yamaha SG1802 mit P90 und dem Engl Halfstack tierisch! Leider ist sein Modell mit Flame Decke in Honey Burst limitiert…

https://youtu.be/RplOHTfLUjY?t=1m56s

Für einige Sparten ist die Aussteller-Vielfalt auch anscheinend unverändert. Bei z.B. den Tasteninstrumenten habe ich aus Laie (außer Roland?) keinen Großen vermisst, aber was einen in der Halle 11 erwartete war unter aller Sau.

Die großen Player Fender, Gibson, Marshall, ESP inklusive ihrer Untermarken Charvel, Gretsch, EVH, Musicman usw. waren erneut nicht da, nur Ibanez hat sich zur Rückkehr bewegen lassen, wenn auch mit einem relativ kleinen Stand. Coole Pedale wie Wampler, Vahlbruch, Providence, JHS und wie sie alle heißen suchte man vergebens. Bei den Ampherstellern waren immerhin Orange sowie Engl, letztere mit u.a. dem neuen Marty Friedman Signature Amp namens Inferno sowie einem 50W-Artist Edition am Start. Diezel, Hughes&Kettner, Mesa/Boogie,Peavey, Laney, Fractal, Blackstar waren nicht da.

ABER: unter den wenigen waren 2 meiner diesjährigen Highlights: zum einen HIWATT. Die bauen wieder nach Specs von ca. 1974 und das Zeug ist hölle gut. Also vor allem den Custom 100 (DR103) als 4-Input Version, den nicht mal Pete Townshend kaputt kriegte. Wir haben gut 20 Minuten mit dem Chefkonstrukteur gesprochen und den Custom 50 sowie einen zwischen 0,5 und 20W umschaltbaren Prototypen namens Lil Devil gespielt. Wahnsinn. Mit neu aufgelegten „Supported by Partridge“ Trafos, Military Grade Komponenten, JJ Röhren und dicken Stahlblech Gehäusen wird hier Zeug für die Ewigkeit gebaut. Ideale Pedal-Amps!

Zweiter Knaller: Salvation Mods. Antonin Salva nahm sich richtig Zeit um mir seinen neuen Preamp zu erklären. Dieser hat 1 HE und beinhaltet 2 Kanäle, die man aus derzeit 55 Mods frei auswählen kann! Sie sind also nicht einzeln tauschbar, man kann aber die ganze Preamp-Einheit austauschen und das Chassis weiter nutzen. Interessant! Zudem hat es neben CH1/2 einen 3. Schaltzustand: Through, der Preamp lässt dann einen eingeschliffenen Sound (Top, Pedal, anderer Preamp,…) erklingen. Kostenpunkt: Vermutlich um die 1100 Euro. Für 1 HE und Handarbeit absolut ok.

Mit am gleichen Stand: Coffee Cabs. Die Jungs bauen wirklich schöne Gehäuse mit verschiedenen Bestückungen, sie sind nicht bezogen sondern lackiert und die hinteren Öffnungen sehr formschön ausgeführt. Kostenpunkt für einen 2×12“ mit z.B. Celestion V30: ca. 750 Euro. Die violette 2×12“ ist Antonins persönliche Box, passend zum Randall RMKH oben rechts.

Facebook.com/CoffeeCabs

Bei Ibanez waren ein paar Dutzend Gitarren und Bässe zum Test verfügbar, besonders gefallen hat mir die sehr gefällig geshapte KIKOSP2, wie man bereits erahnt ein Signature Modell von Megadeth-Schnellfinger Kiko Loureiro. Zur Abwechslung mit fester Brücke und dickerem Hals, sehr nett!

Als alter JEM Freak muss ich allerdings sagen: die aktuellen Varianten sind… uärks.

Thomas Blug war mit seinem BluGuitar Kram da, u.a. mit einem neuen Cab Simulator: http://www.gitarrebass.de/equipment/musikmesse-2016-bluguitar-blubox-virtual-speaker-collection/

Bei den Vorführungen muss man zugeben, das Zeug klingt gut. Thomas spielte die Show übrigens nicht mit seiner 61er Fender sondern wenn ich richtig gesehen habe der Blugocaster von Vintage. Könnte aber auch seine BluGuitar 61 gewesen sein.

http://www.bluguitar.com/guitars.html

PRS war mal wieder mit einigen Modellen vertreten. Allerdings nichts was mich dazu bewogen hätte, es vom Haken zu nehmen. Wie man dort auf die Idee kommt, dass jemand 5.300€ für eine Custom 24 bezahlt, ist mir nicht ganz klar.

Der MusicStore eröffnete mit seinem Stand quasi die Gitarrenhalle und hatte wenigstens eine Übersicht an Fender und Gibson Gitarren dabei. Aber mehr so die Brot-Butter-Varianten.

Der Vollständigkeit halber den aktuellen Katalog für 1 Euro mitgeschleppt.

Für die Custom Gitarrenbauer musste man die Halle wechseln. Dort gab es die „Guitar Boutique Village“, welche auf Betreiben der Hersteller nicht in der recht lauten 11 sondern mit den Acoustics, Streichern usw. in Halle 8.0 zusammen stand. Dort waren zu finden:

  • Maestro Guitars
  • Spalt Instruments
  • Nik Huber Guitars
  • Stoll Guitars
  • Rozawood
  • Soultool Customized Guitars
  • Fibenare
  • Oliver Lang Instruments

Die dort ebenfalls zugehörigen Jungs von Relish Guitars hatten sich für einen Freiluft-Stand vor Halle 9 entschieden.

Echte Neuigkeiten waren meiner Ansicht nach nicht zu sehen, auffällig bei Nik war eine Krautster II in Orange mit Bigsby Vibrato. Der Preis von mittlerweile weit über 4.000 Euro in dieser Konfiguration ist aber schon sportlich wenn man sich noch an die erste Krautster für unter 2000 besinnt. Basispreis der Krautster II sind nun 2995€. Herausragende Gitarre natürlich und mit einem Gewicht unter 3 kg ein richtiges Live-Arbeitstier.

Christian Stoll hatte eine tolle Acoustic dabei, welche Fanned Frets, eine abgeschrägte Armauflage sowie ein oberes Schallloch aufwies. Schick!

Last but not least: Yamaha. Die mussten ihre angestammte Halle ja ebenfalls verlassen und sind nun im Portalhaus direkt am Eingang beheimatet. Zu sehen gab es bei den Gitarren so ziemlich jedes aktuelle Modell von Silent Guitar über SGs, RGX usw und natürlich diverse Revstars. Von jenen auch sehr spannende Custom Modelle aus einem neuen Shop in LA. Leider hinter Glas und ohne Preise…

Als Erweiterung für die Line6 Modeler wurde das Helix LT vorgestellt, eine kleinere Version des Helix Floor mit 2 statt 4 Loops und ohne Display pro Switch, dafür Street Price unter 1000€.

Als Goodie gab es kostenlos T-Shirts mit einem Helix Signalpfad drauf. Nett!

Tja, und das war’s auch schon. Die Liste derer die nicht da waren ist einfach zu lang. Spontan fallen einem da neben den bereits genannten Firmen z.B. Rainer Tausch, Egnater, Bogner, Tokai, Häussel, Hartung, Brunetti, Dean, Fernandes, Randall, Goeldo, Koch, Peavey,… ein.

Auch wäre es mal spannend gewesen, ein paar der neuen europäischen Geheimtipps wie Mezzabarba Amps aus Italien zu sehen, oder gar Synergy mit dem neuen Modulkonzept. Oder Friedman Amps. Oder Suhr. Schade, schade.

Fazit: wenn sich da nicht RICHTIG was tut wird es das für uns Gitarristen in Frankfurt gewesen sein. Mal sehen was Holy Grail Show, Guitar Summit (8.-10.09. in Mannheim) usw draus machen!

Ach ja, zumindest einem alten Heroen bin ich begegnet: Bobby Kimball von Toto. Das waren noch Zeiten wo man z.B. an Nicko McBrain oder Michael Angelo quasi nicht vorbeikam. 😊

Uns führte der Weg dann anschließend noch nach Maintal zu GuitarPoint. Detlef hat ja immer parallel seine Hausmesse, dieses Jahr erstmals mit kleinen Konzerten. Donnerstags war Josh Smith dran, am Freitag bekamen wir Marcus Deml zu sehen, der nicht nur herausragend spielen kann sondern auch sehr unterhaltsam kleine Stories aus seinem Leben im LA der späten 80er zum Besten gab. Mit seinen 3 Strats, einem relativ übersichtlichen Pedalboard (sein vorheriges hatte sein Tech „Biblis II“ getauft…) und einem Tube-Thomsen Head hatte man tonal eigentlich keine Fragen mehr. Sehr sympathischer Auftritt!

An Gitarren gab es im Shop natürlich auch einiges zu sehen, z.B. hat er aktuell über 40 praktisch neue Tylers aus einer Sammlung rein bekommen.

Daheim haben wir dann eine Runde durch die Zugänge des letzten Jahres gedreht. Tom brachte meine reparierte Kammler Mono-Kai aus Hamburg mit und diese haben wir mit Egnater MOD50 Topteil und Lexicon PCM-80 verkabelt und meine neue Lieblingsgitarre, die Huber Orca 59 Superhollow eingestöpselt. Alter Schwede!!  Das machte sofort richtig Spaß!  Und der Speaker wird laut Dietmar Kammler noch merklich besser, wenn er mal eingespielt ist. Noch besser? Hihi!! Mein Speaker-Tipp an euch von daher: Celestion Alnico Creamback. Ja,teuer, ich weiß. Aber ein Kracher!

http://www.tubeampdoctor.com/de/shop_Celestion_Alnico_Heritage_Made_in_England/Celestion_Cream_Alnico_12_90W_16_Ohm_Made_In_England_T5954_4488

Die Box fasziniert mich, unter anderem weil man überall gut hört, auch daneben und sogar dahinter. Wer die „Marshall-Schneise“ gewohnt ist kann es fast nicht glauben. Nicht billig, aber preiswert.

Auch sehr überrascht hat mich das mitgebrachte Bogner La Grange Pedal. Das kann auch richtig zupacken und mit etwas Einstellerei war es nicht weit vom Gain-Kanal der Larry British Purist entfernt. Und der klingt ja anerkanntermaßen ziemlich gut!

Mein Bogner Burnley hat sich auch gut gehalten, ist in Sachen Flexibilität aber weit vom La Grange entfernt.

80s Feeling pur kam mit dem Climax S3 Preamp auf. Soldano X88r Konzept trifft auf German Engineering. Sehr lecker!

Mein jüngst auch live eingesetztes Rack mit Egnater M4 Preamp, Line6 Helix und VHT 50/2 Endstufe kann auch richtig was 🙂

Und natürlich haben wir die kürzlich gekaufte PRS Santana I ausgiebig getestet.

Das war’s von der Musikmesse 2017. Cheerio!